10 gute Gründe Dein Auto zu verkaufen

Leben, Umwelt
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Soll ich mein Auto verkaufen? Diese Frage stellte ich mir in den vergangenen Jahren zunehmend. Ich ertrug meinen CO2-Fussabdruck nicht mehr. Und trotzdem war ich unsicher, ob ich es machen sollte. Zu sehr ließ ich mich von Familie und Freunden irritieren. „Was, Du willst die Freiheit einfach aufgeben? Mit dem Auto kannst Du doch wann immer und wohin Du möchtest.“

Lass Dich von solchen Äußerungen nicht von Deinem Weg abbringen. Damit es Dir leichter fällt dagegen zu halten und bei Dir und Deiner Entscheidung zu bleiben, habe ich hier ein paar Gedanken dazu aufgeschrieben. Ich habe mein Auto im Januar 2019 endlich verkauft und habe es seitdem keinen einzigen Tag bereut, ganz im Gegenteil, ich genieße die neue Freiheit!

Gedanken einer Pendlerin

20.000 gefahrene Kilometer im Jahr ergeben 2.800 Kilogramm CO2 Ausstoß jährlich. Nur durch mich, weil ich mit meinem Auto bequem von A nach B fahre. Meist alleine in dem großen Fahrzeug. Eigentlich ist es nur ein Kleinwagen, doch für eine Person immer noch viel zu groß. Das sind 2,8 Tonnen, unvorstellbar eigentlich. Bei einem Hin- und Rückflug nach und von Mallorca liegt die CO2-Belastung einer einzigen Person übrigens bei ca. 980 Kilogramm.

Die globale Erwärmung soll in diesem Jahrhundert auf 2 Grad begrenzt werden, so hat es sich die Weltgemeinschaft zum Ziel gesetzt. Damit dies gelingt, dürfte jeder Mensch im Jahr 2050 nur noch etwa 2 Tonnen CO2 jährlich ausstoßen. Alleine mit meinem wirklich sparsamen Kleinwagen liege ich bereits darüber. Und tatsächlich sind es laut Umweltbundesamt in Deutschland derzeit 9,6 Tonnen pro Kopf und 10,9 Tonnen, wenn man alle Treibhausgase einrechnet. Unter diesen Vorzeichnen fällt es sehr schwer an die Zielerreichung zu glauben. Es muss endlich auf großer Ebene etwas passieren! Die Umwelt wird aber nicht nur durch den CO2-Ausstoß belastet. Auch Verschleißteile, Gummiabrieb der Reifen oder Autowäschen zahlen darauf ein.

Und dennoch wiegen die Argumente für den Behalt des Autos bei einigen zunächst schwer. Oder simpel ausgedrückt, es ist bequem ein Auto zu haben. Man ist an keine Abfahrtszeiten gebunden, es ist traurigerweise günstiger als mit der Bahn zu fahren, speziell auf meinem Arbeitsweg bin ich mit dem Auto schneller am Ziel, täglich spare ich mehr als eine Stunde, ich kann spontan meine Familie besuchen, spontan Städtetrips unternehmen und auch mal sperrigere Dinge transportieren.

Zu oft vergisst man dabei schon mal den ökologischen Fußabdruck und nervige Faktoren, die mit einem Autounterhalt verbunden sind. So müssen zweimal im Jahr die Reifen gewechselt werden, der Ölstand muss im Auge behalten werden, TÜV Termine nicht vergessen werden und wenn das Auto beim Anfahren quietscht, die Werkstatt bei zweimaligem Draufschauen nicht identifizieren kann, was es ist, fährt man auch nicht unbedingt entspannter auf langen Strecken. Was mich auch sehr störte war die Parkplatzsuche, egal ob nach dem nach Hause kommen oder in Innenstädten, wenn man nur noch überteuerte Parkplätze findet.

Den allerletzen Anstoß zum Autoverkauf gab mir der gesundheitliche Aspekt hinsichtlich Abgasausstoß, den ich vermehrt intensiv auf der Straße wahrnahm. Bei jedem Atemzug dachte und denke ich mir immernoch: „Das kann doch nicht gesund sein, diese Luft gerade einzuatmen.“ Und das nicht nur als Passant sondern auch als Autofahrer, wie mich ein Bericht über eine Studie bestätigte. „Autofahrer atmen während des Berufsverkehrs deutlich mehr Schadstoffe ein als bisher gedacht. In der Innenluft von Fahrzeugen maßen Forscher im Mittel doppelt so viel Feinstaub wie draußen am Straßenrand.“

Testlauf: autofrei leben

Aber auch mein schlechtes Gewissen bei jedem Millimeter den meine Tankanzeige Richtung leerem Tank gewandert ist hat mich zur Abstinenz gebracht. Zunächst einmal nur probeweise. Ich hatte mir einfach mal ein Monatsticket gekauft, um zu schauen, wie ich mit dem Pendeln per Bahn klarkomme und wir sich das anfühlt. Die erste Testwoche war bereits super gestartet. Ich hatte ein richtig gutes Gefühl bei jedem Kilometer, den ich ohne Abgase zurückgelegt habe. Neben dem grünen Aspekt fand ich es auch sehr schön, mehr von der Stadt, damals noch Frankfurt, zu erleben. Mit dem Auto umfährt man Innenstädte auf der Autobahn. Bei der S-Bahn Fahrt kam ein richtiges Großstadtgefühl in mir auf, was ich irgendwie genoss. Hinzu kamen die soziale Kontakte. Auch wenn man ggf. nur mit Kopfhörern im Abteil sitzt, ist man nicht alleine und kann dem regen Treiben auf dem Bahnsteig zuschauen. Auch das tat irgendwie gut, obwohl ich ansonsten eher ein Mensch der Ruhe bin. Hinsichtlich Zeitaufwand habe ich jeden Tag insgesamt 45 Minuten länger gebraucht als mit dem Auto. Von zehn Zugfahrten waren zwei verspätet, sodass ich eine Stunde verloren habe. Aber das war alles erträglich und das gute Gefühl überwiegte. Schon nach der ersten Testwoche war mir klar, ich will es nie wieder anders haben!

Neben den Umweltaspekten gibt es noch viele weitere Annehmlichkeiten, die ein autofreies Leben mit sich bringt:

Du befreist Dich von Verbindlichkeiten

Was ich seit der ersten Sekunde an besonders genieße ist der Ballast, der von Dir abfällt, wenn Du nicht ständig den nächsten TÜV Termin, Versicherungszahlungen, die nächste Inspektion oder bereits auftretende Macken am Auto im Nacken hast. Für mich war es eine richtige Befreiung, all diese Gedanken und to dos mit einem Schlag los zu sein.

Du kannst die Fahrtzeit im ÖPNV effizient nutzen

Während der Fahrt mit dem ÖPNV kannst Du viele tolle Dinge machen. Ich nutze die Zeit zum Beispiel, um endlich meinen Freunden auf WhatsApp zurück zu schreiben, Emails zu checken und mein ehrenamtliches Engagement in einer Partei zu planen, Blogbeiträge schreiben, Bücher lesen, konzentriert Podcasts hören oder einfach mal nichts tun. Jedenfalls fällt die angespannte Konzentration einer Autofahrt weg. Ich merke richtig, wie gut mir das tut.

Du kannst die Fahrtzeit als Arbeitszeit nutzen

Während der Bahnfahrt arbeiten und die Zeit auch schon als Arbeitszeit angerechnet bekommen. Ein guter Arbeitgeber weiß es zu schätzen, wenn Du bereits in der Bahn einige E-Mails abarbeitest, Texte schreibst, an Deiner Präsentation arbeitest oder Konzepte erstellst. Natürlich solltest Du hier ehrlich sein und nur wirklich effizient genutzte Arbeitszeit eintragen. Aber so kann der Weg wirklich gut genutzt werden und das Pendeln frisst nicht soviel Freizeit.

Du kannst auf zahlreiche Alternativen zurückgreifen

Solltest Du doch mal längere Strecken zurücklegen oder sperrige Gegenstände transportieren müssen, gibt es viele Möglichkeiten, die ein eigenes Auto ersetzen. Mein häufig genutztes Mittel ist die Mitfahrgelegenheit. Das ist für mich die günstigste und schnellste Art von A nach B zu kommen. Bisher habe ich dabei auch immer nette Leute kennengelernt und noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Alternativ bieten sich natürlich auch Fernreisebusse und die Bahn an, für gewöhnlich sind diese aber teurer und langsamer. Was auch viele machen ist sich einen Mietwagen anzumieten. Wenn man dabei Kosten sparen möchte, kann man die Fahrt zusätzlich auf einem Mitfahrportal inserieren und Leute mitnehmen. Und dann gibt es natürlich noch diverse Car-Sharing-Modelle, mit denen ich aber auch noch keine Erfahrung habe. Von denen höre ich immer nur, dass sie sehr praktisch und flexibel sind. Vor allem, wenn man nur mal eben zu einem Baumarkt fahren möchte oder ähnliches.

Du machst Dich fitter

Ohne Auto bleibst Du fitter. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich viel öfter mal das Rad nehme oder sogar zu Fuß laufe. Ich bin aber grundsätzlich eine, die gern läuft. Daher fällt mir das besonders leicht. Auch als Pendlerin bewegst Du Dich mehr, denn Du musst zur Bahn laufen und von der Bahn zum Büro. Die Wege sind meist länger als nur zum Auto und vom Büroparkplatz an den Arbeitsplatz.

Du kannst Geld sparen

Langfristig gesehen lebt es sich ohne Auto günstiger. Gern teile ich mit Dir meine Kostengegenüberstellung, die ich damals angefertigt hatte. Da ich zur Arbeit pendeln muss bin ich auf ein Bahnticket angewiesen, was die Gegenüberstellung knapp ausfallen lässt. Rechnest Du jedoch noch Kosten hinzu, die schwer aufs Jahr anzurechnen sind, fällt das Ergebnis eindeutiger aus. Dazu gehören der Wertverlust des Autos, anfallende Reparaturen, die durchaus im Preis hoch ausfallen können, Reifen, die man alle vier Jahre spätestens erneuern sollte und regelmäßige Inspektionen, die empfohlen werden.

KOSTEN/Jahr Auto Ohne Auto
Steuer 68
Versicherung 458
TÜV 50
Reifenwechsel 90
Tanken/Bahnticket 1.420 1.850
ADAC 84
Summe 2.170 1.850

Quelle: eigene Berechnung mit einem Kleinwagen und individueller Versicherungseinstufung

Du bist mehr unter Leuten

Bei der Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln triffst Du zwangsläufig auf Menschen. Das tut gut, auch wenn einem das nicht unbedingt bewusst sein muss. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass soziale Kontakte und vor allem Bindungen einen positiven Effekt auf die Lebenserwartung haben.

Ein Lächeln einer Mitfahrerin, die gute Laune des Schaffners, die Dich ansteckt oder einfach nur das Gemeinschaftsgefühl können sich positiv auf Dich auswirken. Ab und an treffe ich sogar Bekannte im Bus und in der Bahn. Der Smalltalk ist immer ganz nett, heitert auf und man ist weiter vernetzt.

Du schonst Deine Nerven

Wie oft fluchst Du hinterm Steuer? Wie oft ärgerst Du Dich über Stau? Wie oft suchst Du verzweifelt einen Parkplatz? Wie oft bist Du schon mit dem letzten Tropfen Sprit gerade so angekommen? Klar, die Bahn hat auch mal Verspätung, aber so häufig wie ich mich am Steuer in der Vergangenheit geärgert habe, nämlich fast täglich, passiert mir das ohne Auto nicht. Das sind negative Gefühle, die ich in meinem Leben nicht brauche. In die Bahn setzt Du Dich hinein, entspannst im Idealfall und kommst am Ziel an. Einige mögen jetzt denken: „Und was ist mit den schreienden Kindern, ungepflegten Sitznachbarn, Verspätungen, Heizungsausfall,…?“. Ja, das kann natürlich alles vorkommen. Unterm Strich, ärgere ich mich dennoch 90 Prozent weniger als damals in meinem Auto und komme sichtlich ausgeglichener an meinem Arbeitsplatz an.

Keine Strafzettel für Falschparken und Blitzer mehr

Du wirst nie wieder geblitzt oder abgeschleppt, zumindest nicht mit Deinem eigenen Auto. Dadurch kann sich eine beträchtliche Summe an Geld einsparen lassen. Wobei mir beides in 17 Jahren Führerschein-Besitz auch so kein einziges Mal passiert ist, einer guten Freundin hingegen ständig.

Fazit

Ich bin jetzt etwas länger als ein Jahr autofrei und wie gesagt, ich habe es noch keine Sekunde bereut. Jedes Gramm CO2, das ich weniger ausstoße fühlt sich großartig an! Und ich merke einfach, wie gut es mir tut, die Zeit beim Pendeln für Dinge zu nutzen, die ich ansonsten erst nach Feierabend erledigen würde oder gar nicht, weil ich dann zu platt wäre. Am tollsten fühlt sich aber der abgeworfene Ballast an, da ich keine Auto-Verbindlichkeiten mehr habe. Das gehört wohl in die Kategorie Minimalismus. Weniger Zeug, um das ich mich kümmern muss. Weniger Sorgen!

Hast Du ähnliche Erfahrungen gemacht? Lass mir gern Deine Gedanken hier. Ich freue mich über Eure Kommentare.

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